Leserbrief von Djalma Goncalves zum Artikel „OB Keck erlässt Haushaltssperre“ vom 17. Oktober 2026
Die vom Oberbürgermeister verhängte Haushaltssperre ist die logische, aber leider rein reaktive Quittung für eine Politik, die zu lange die Augen vor den strukturellen Realitäten verschlossen hat. Sie ist ein finanzpolitisch notwendiger Notverband – mehr nicht.
Was mich als Bürger zutiefst besorgt, ist die offenkundige Ratlosigkeit im Gemeinderat.
Wenn erfahrene Kommunalpolitiker von einem „Desaster“ sprechen und Entwicklungen „nicht nachvollziehen“ können, offenbart das ein gefährliches Defizit an strategischer Vorausschau.
Eine Haushaltssperre löst kein strukturelles Problem, sie verschiebt es nur.
Wir verwalten seit Jahren den Mangel mit dem Rasenmäherprinzip, anstatt mutig Prioritäten zu setzen.
Eine echte strategische Neuausrichtung muss an drei Hebeln ansetzen:
- Fokus auf das Wesentliche: Jede freiwillige Aufgabe und jedes Großprojekt – inklusive der Stadtbahn – gehört schonungslos auf den Prüfstand. Wir brauchen einen Kassensturz durch externe Wirtschaftsprüfer und ein Moratorium für Großinvestitionen, bis das Fundament saniert ist.
- Effizienz-Revolution: Die Verwaltung muss sich zum schlanken, digitalisierten Dienstleister transformieren. Durch den gezielten Einsatz von KI-Assistenten bei Standardprozessen senken wir Kosten und setzen Personal für komplexe Aufgaben frei.
- Wirtschaftsoffensive: Reutlingen muss wieder hochattraktiv für Gewerbe werden. Eine „Taskforce Ansiedlung“ direkt beim OB muss her, und wir müssen das enorme Potenzial unserer exzellenten Hochschule Reutlingen durch gezielte Startup-Inkubatoren endlich direkt in die Stadt holen.
Die Krise ist schmerzhaft, aber sie bietet die historische Chance zur radikalen Sanierung. Nutzen wir diesen Weckruf für eine mutige, strategische Neuausrichtung, statt uns weiter planlos von einem Haushaltsloch zum nächsten zu hangeln.
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