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Schwimmen darf nicht ausfallen – Reutlingen braucht eine Übergangslösung

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17 Okt.

Das geschlossene Lehrschwimmbecken Ohmenhausen verschärft die ohnehin knappen Schwimmkapazitäten in Reutlingen. Jetzt braucht es kreative und verbindliche Übergangslösungen für und durch die betroffenen Schulen – denn Schwimmfähigkeit ist eine grundlegende Sicherheitskompetenz.

von Sven Lange

Ein Thema, das derzeit Teile Reutlingens beschäftigt, ist das geschlossene Lehrschwimmbecken in Ohmenhausen. Das Becken steht auf absehbare Zeit nicht zur Verfügung. Nachdem Reutlingen für die Sanierung keine Mittel aus dem Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ (SKS) erhalten hat, ist eine kurzfristige Lösung für die Wiederinbetriebnahme nicht in Sicht.

Davon betroffen sind nicht nur Vereine und private Schwimmangebote. Auch der schulische Schwimmunterricht ist eingeschränkt. So nutzen unter anderem die Waldschule Ohmenhausen und die Hohbuchschule das Becken. Darüber hinaus wird es von Schulen aus weiteren Stadtteilen genutzt. Die entscheidende Frage ist deshalb: Wo und wie sollen diese Schwimmzeiten aufgefangen werden?

Denn die Kapazitäten der anderen Reutlinger Schwimmbecken sind begrenzt. Dass die betroffenen Klassen vollständig auf andere Bäder verteilt werden können, ist aus den öffentlich zugänglichen Unterlagen jedenfalls nicht ersichtlich.

Schwimmen ist keine freiwillige Zusatzqualifikation

Für Kinder ist Schwimmunterricht weit mehr als eine weitere Sportstunde. Sie sollen lernen, sich sicher im Wasser zu bewegen, ins Wasser zu springen, aufzutauchen und sich auch in einer ungewohnten oder gefährlichen Situation zu orientieren.

Fällt der Schwimmunterricht über längere Zeit aus, besteht die Gefahr, dass Kinder diese grundlegenden Fähigkeiten verspätet oder gar nicht erwerben. Damit steigt auch das Risiko von Badeunfällen, wie man unabhängig von der Diskussion um das Ohmenhäuser Bad im Sommer 2026 den Medien auch mehrfach entnehmen konnte. Gleichzeitig drohen soziale Unterschiede: Familien, die sich zusätzliche private Schwimmkurse leisten können, können den Ausfall möglicherweise auffangen. Andere Familien haben diese Möglichkeit nicht.

Schwimmfähigkeit ist eine grundlegende Lebens- und Sicherheitskompetenz. Ihr Erwerb darf nicht davon abhängen, ob eine Familie sich einen privaten Schwimmkurs leisten kann.

Gerade deshalb hat der schulische Schwimmunterricht eine wichtige Funktion. Er erreicht grundsätzlich alle Kinder – unabhängig vom Einkommen und davon, ob Eltern zusätzliche Kurse organisieren und finanzieren können.

Hinzu kommt: Wenn viele Kinder auf Vereine oder private Schwimmschulen ausweichen müssen, verschärft dies die ohnehin begrenzten Kapazitäten dort.

Jetzt braucht es eine Übergangslösung

Natürlich muss die Sanierung beziehungsweise Wiederinbetriebnahme des Lehrschwimmbeckens Ohmenhausen weiterverfolgt werden. Darauf allein zu verweisen, reicht aber nicht.

Deshalb braucht es kurzfristig ein gemeinsames Ersatzkonzept von Stadt, Schulen, Bädern, Vereinen und weiteren Partnern. Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten, die geprüft und umgesetzt werden könnten.

  1. Kompakter Schwimm-Blockunterricht könnte beispielsweise wöchentliche Einzelstunden für einen begrenzten Zeitraum durch mehrere Schwimmeinheiten pro Woche ersetzen. Die vorhandenen Wasserflächen könnten dadurch intensiver genutzt werden und Kinder innerhalb weniger Wochen deutliche Fortschritte machen. Das erfordert organisatorische Veränderungen der Schulen, keine Frage.
  2. Auch Schwimm-Intensivwochen und Schwimm-AGs in den Freibädern vor den Sommerferien könnten ein Baustein sein. Dabei sollten insbesondere Nichtschwimmer und unsichere Schwimmer berücksichtigt werden.
  3. Eine zeitliche Neuordnung der Schwimmzeiten zwischen Grund- und weiterführenden Schulen sollte geprüft werden. Wenn dadurch Grundschulen zusätzliche Wasserzeiten erhalten können, wäre dies zumindest für einen Übergangszeitraum eine sinnvolle Möglichkeit.
  4. Ergänzend könnte die Stadt ein kostenfreies oder stark vergünstigtes Ferien-Schwimmprogramm für betroffene Kinder organisieren. Eine intensive Schwimmwoche in den Ferien könnte dabei helfen, ausgefallene Unterrichtszeiten zumindest teilweise zu kompensieren.

Nichtschwimmer müssen Vorrang haben

Wenn die vorhandenen Wasserflächen nicht ausreichen, sollte es nicht nach dem Prinzip „alle ein bisschen weniger“ gehen. Entscheidend ist, dass diejenigen Kinder unterstützt werden, die noch nicht oder nicht sicher schwimmen können. Kinder, die bereits sicher schwimmen, könnten vorübergehend andere Bewegungsangebote erhalten. So könnten die knappen Wasserzeiten dort eingesetzt werden, wo sie am dringendsten benötigt werden.

Stadt und Schulen müssen gemeinsam handeln

Einge der oben genannten Vorschläge wurden seitens der Verwaltung den Schulen auch bereits vorgeschlagen. Die betroffenen Eltern wissen, was davon seitens der Schulen umgesetzt wurde. Jetzt kommt es darauf an, dass alle Beteiligten gemeinsam nach Lösungen suchen. Die Stadt muss die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen und die verfügbaren Wasserflächen koordinieren. Gleichzeitig müssen die Schulen bereit sein, alternative Konzepte aufzugreifen und organisatorisch umzusetzen.

Wir erwarten deshalb, dass Stadt, Schulen, Bäder, Vereine und weitere Partner kurzfristig ein tragfähiges Übergangskonzept entwickeln. Es darf nicht passieren, dass Kinder über Monate oder gar Jahre keinen ausreichenden Schwimmunterricht erhalten, nur weil eine wichtige Sportstätte ausgefallen ist.

Die Sanierung des Lehrschwimmbeckens Ohmenhausen bleibt notwendig. Das Geld dafür ist jedoch nicht vorhanden. Daher braucht es jetzt eine Lösung für die Zeit bis eine andere Lösung sichtbar ist. Denn Schwimmenlernen darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen.

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